Frauke Drewer, Stephanie Marchal, Kathrin Rottmann und Anna Schrepper

EDITORIAL: GÜNTER FRUHTRUNK. AUS DER REIHE

BEGLEITHEFT ZUR AUSSTELLUNG IM KUBUS (JANUAR – MÄRZ 2019)

Abb. 1: Ausstellungsansicht zur Zeit des Aufbaus. Links: Grüne Akzente II, 1966-1969, 191 cm x 189 cm, Acryl auf Leinwand (Rückseite mit Signatur und Farbprobe), rechts: Innenraum, 1980/1981, 180 x 160 cm, Acryl auf Leinwand.

Die Arbeiten Günter Fruhtrunks, der 1968 an der documenta IV und der Biennale von Venedig teilnahm, architekturgebundene Werke – darunter das Farbleitsystem der Ruhr-Universität – (mit)entwickelte, den Entwurf für die Aldi-Tüte lieferte und den Quiet Room des Sicherheitsrates im UNO-Hauptquartier in New York gestaltete, waren fester Bestandteil der Kunstwelt der BRD der 1960er und 70er Jahre. Im Zuge der nachkriegszeitlichen Ideologisierung abstrakter Kunst als „Weltsprache“ wurden sie als Ausdrucksformen gefeiert, die aufgrund ihrer Ungegenständlichkeit ubiquitär verständlich und durch vermeintlich bloßes Sehen voraussetzungslos erschließbar seien.[1] Diesem Kunstverständnis entsprechend etablierte sich die Rede von den Wer­ken als einer physischen Herausforderung; geradezu topisch wurde von den Fruhtrunk‘schen Streifen gesprochen, die in Schwarz und grellen Signalfarben wie „Ultramarinviolett“, „Grün-Blauoxyd“, „heftige[m] Zitronengelb [...], Grün [...] und Zinnoberrot mit Leuchtfarbenpigment“ das Sehen strapazierten,[2] deren „aggressive Totalpräsenz“ es „auszuhalten“ und denen es den „Widerstand seines Selbst ent­gegenzusetzen“ gelte. „Ruhende, passive Betrachtung ist ausgeschlossen.“[3]

Lesen Sie das vollständige Editorial hier.

Zur aktuellen Ausgabe gelangen Sie hier.

 

[1] Glozer, Laszlo: Westkunst. Zeitgenössische Kunst seit 1939, Köln 1981, S. 172.

[2] Thwaites, John Anthony: Laufbahn eines Astronauten, in: Ausst.-Kat.: Fruhtrunk. Bilder 1952–1972, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1973, S. 22; Imdahl, Max: Bemerkungen zu einigen Bildern von Günter Fruhtrunk, in: Ausst.-Kat.: Fruhtrunk. Bilder 1952–1972, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1973, S. 6–12, hier S. 11.

[3] Imdahl 1973, S. 11.