Änne Söll und Samira Kleinschmidt

EDITORIAL: MUSEUMSRÄUME

Abb. 1: Candida Höfer: Museum Ludwig I 2001, 2001, © Candida Höfer, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Die zweite Ausgabe des Onlinejournals GA2 nimmt die historische Entwicklung, der Ausstattung und Gestaltung von Museumsräumen in den Blick. Wie kam es zu den uns mittlerweile so vertrauten weißen Wänden, dem White Cube, der die Innen­raumgestaltung von Kunstmuseen bis heute dominieren? Welche Alternativen gab und gibt es dazu? Welche Vorstellungen und Theorien von „display“ kommen hier zum Zuge? Wie sahen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Objektpräsentation in Museen aus und was waren und sind ihre ideologischen und politischen Bedingun­gen? Welche Rezeptionstheorien und welche museumsdidaktischen Prämissen liegen den unterschiedlichen Räumen zu Grunde?

Die von Studierenden des Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bo­chum verfassten Texte, Interviews und Rezensionen verstehen sich als Beiträge zu einer kritischen Museumsforschung, die das Museum als einen Aushandlungsort so­zialer und gesellschaftlicher Prozesse ansehen. Museen, das hat zum Beispiel die De­batte um das Humboldt Forum und die Präsentation von nicht-westlichen Kunstob­jekten in Berlin gezeigt, sind keine neutralen Orte der Wissensvermittlung, sondern sind Plattformen, auf denen sich gesellschaftliche Konflikte wie der Umgang mit ko­lonialer Vergangenheit abbilden. Die Gestaltung von Museumsräumen hat an der Aushandlung solcher Konflikte einen entscheidenden Anteil, denn durch sie materia­lisiert sich das museale Selbstverständnis. Zusammen mit der Museumsarchitektur bilden die Innenräume das programmatische Grundgerüst, durch das die Museen Wissen vermitteln, Kunst zeigen und ihre gesellschaftlich-didaktischen Aufgaben er­füllen. Zudem werden die musealen Grundaufgaben, das Sammeln, Bewahren, Aus­stellen – Kulturtechniken, die einst selbstverständlich waren, hinterfragt und aktuali­siert. Während weltweit immer neue Museen und Ausstellungsräume aus dem Boden schießen, wie der Louvre Abu Dhabi, der sich als Franchise des Pariser Mammut-Museums in die Reihe der Konsumtempel in der Wüste einreiht oder das Museum of Icecream, dessen einzige raison d‘être seine Nutzung als Kulisse für Selfies zu sein scheint und es zum Instagram-Hotspot macht, werden die traditionellen Aufgaben des Museums infrage gestellt. Welche Möglichkeiten bietet das Museum in einer glo­balisierten, vernetzten Welt und wie machen es sich die Künstler*innen, Kura­tor*innen und Architekt*innen zu eigen?